Am 13. Oktober habe ich das Vergnügen gehabt, die Konferenz „Smart Cities and Urban Solutions“ in der dänischen Botschaft moderieren zu dürfen. Nachdem wir 2006 das erste große und bis heute einmalige Smart City Projekt T-City entwickelt hatten, hat mich dieses Thema bis heute begleitet: Es ist ein Kernthema im Prozess des Digital Gipfels der Bundesregierung (ehemals Nationaler IT-Gipfel) und eine der größten Herausforderungen der digitalen Transformation Deutschlands. Während in Deutschland Smart Cities und Smart Regions vor allem aus diesem übergreifenden Ansatz der umfassenden Digitalisierung gedacht werden, hat man für die Konferenz eine andere und – wie ich finde – sehr wertvolle Perspektive gewählt.

Als Leitfrage der Konferenz formulierte der dänische Botschafter: Wie können Smart Cities zur Gesundheit der Stadtbevölkerung beitragen? Eine wichtige Frage von allgemeinem Interesse, da Studien belegen, dass sich unser urbanes Umfeld, die Gestaltung von Anreizen zur Bewegung und die Entwicklung von Orten und Räumen, an denen wir uns gern, stressfrei aufhalten auf das Auftreten von Krankheiten wie z.B. Diabetes auswirken.

Nicht minder interessant waren die vortragenden Teilnehmer der Konferenz: Louise Kielgast von Gehl People gab einen faszinierenden Einblick in das Grundverständnis dieses seit einiger Zeit international maßgeblichen Stadtplanungsbüros. Die Art, wie der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird, setzt dabei neue Standards. Das bestätigte auch Prof. Dr. Martin Knöll, der von seinen Projekten zu einer gesundheitsfördernden Stadtentwicklung berichtete. Die anschließenden Praxisbeispiele aus Kopenhagen und Aalborg haben dann gezeigt, warum sich eine genauere Betrachtung der grundlegenden Haltung der Smart City Organisationen in Skandinavien lohnt – denn hinter der fahrradfreundlichsten Stadt steht ein sehr ganzheitliches und vor allem am Menschen orientiertes Verständnis, was eine Smart City smart macht.

Im abschließenden Podiumsgespräch mit allen Referenten und der anwesenden Fachcommunity wurde sehr deutlich, dass eine Stadt nicht einfach zur Smart City wird. Es ist ein Weg, der viel politischen Gestaltungsanspruch und -willen erfordert, der nachhaltig mit Ressourcen ausgestattet werden muss und der nicht vom Gewinn von Fördermitteln abhängen darf. Während ich das hörte habe ich mir als überzeugter Berliner gewünscht, dass mehr Zuhörer aus meiner Wahlheimat im Publikum gewesen wären. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, den Tenor und die Erkenntnisse der Veranstaltung in das Smart City Network Berlins einzubringen. Selten habe ich in so kurzer Zeit so viele interessante Gedanken aus einer Konferenz mitgenommen. In jedem Fall schaue ich jetzt mit einem neuen Blick auf die Städte, die ich besuche.

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