Moderation auf der Baustelle – „Digitaler Wandel in der Immobilienbranche“

Von 9. Mai 2018News

Unter diesem Leitthema habe ich am 9. Mai das Berlin Partner Business Frühstück moderiert. Rund 50 Berlin Partner und Experten aus der Immobilienbranchen waren der Einladung in den 26. Stock des Steglitzer Kreisels gefolgt. Quasi im Rohbau gab es dann zwei Ausblicke: den ersten konnte man bei traumhafter Fernsicht aus den Fenstern genießen. Fazit: Immer wieder beeindruckend wie grün Berlin von oben wirkt. Den anderen gab Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG-Gruppe, der mit seinem Unternehmen nicht nur den Steglitzer Kreisel entwickelt, sondern auch eine klare Botschaft hatte: wir drohen den Wandel der Immobilienbranche durch die Digitalisierung wenn nicht zu verschlafen, dann doch mit allen Konsequenzen für die Gesellschaft zu verschleppen.

„Building Information Modeling“ oder kurz BIM steht wie kein anderes Thema für den Wandel, den die Immobilienbranche vor sich hat. Dahinter verbirgt sich nicht weniger als die konsequente Digitalisierung von der Planung bis zum Betrieb der Immobilie. Jedes Bauteil bekommt in diesem Prozess einen „digitalen Zwilling“ der alle relevanten Informationen in sich trägt, um z. B. sicher zu stellen, dass Planungskollisionen frühzeitig vermieden werden oder über eine skalierbare Bauteilefertigung signifikante Kosten- und Zeitersparnisse erreicht werden.

Über BIM und weitere Auswirkungen der wie in allen Branchen vielschichtigen und parallel und asynchron ablaufenden Auswirkungen und Möglichkeiten der Digitalisierungen (der Plural ist hier bewusst gesetzt), über den daraus abzuleitenden politischen Flankierungsbedarf und über dynamisch veränderbare Immobilienkonzepte habe ich mit Dr. Claudia Nagel, Gründerin von Kiwi.ki und High Rise Ventures, mit Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer Berlin Partner für Technologie und Wirtschaft, mit Roland Stauber, Geschäftsführer der Berlinovo Immobiliengesellschaft und mit Christoph Gröner gesprochen.

Warum diese Branche, die so viel Einfluss auf unseren Lebensalltag hat, so spät in den Diskursraum der Digitalisierung tritt und Aufmerksamkeit bekommt, hat mich heute gewundert. Weder im Rahmen des Digital Gipfels der Bundesregierung oder der vielfältigen Digital-Kongresse, an denen ich teilgenommen habe, war die Immobilienbranche selbst ein Thema. Natürlich haben wir viel über smart cities, smart homes und die vielen kleinen und großen digitalen Helferlein gesprochen – aber die eigentliche Immobilie und ihren Entstehungsprozess wenig beleuchtet. Dabei handelt es sich gemessen an den üblichen Werten ebenfalls um eine Schlüsselindustrie. Vielleicht liegt es ja gerade daran, dass es eben noch eine Immobilienwirtschaft und keine Immobilienindustrie ist. Einen Punkt, den Herr Gröner sehr unterhaltsam und ebenso selbstkritisch darlegte.

Ich bin gespannt, ob es der Branche gelingt, einen gemeinsamen Weg durch die Digitalisierung zu finden. An guten Vordenken mangelt es sicher nicht – das war heute zu spüren. Aber es braucht auch Mitgestalter in Politik und Verwaltung – von denen war heute leider trotz Einladung niemand dabei. Vielleicht wäre dann aus meine Frage nach dem Bedarf eines Laborraums der Immobilienwirtschaft in Berlin schon eine Idee geworden.

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