Diversität darf nicht ohne Inklusion (inclusion) gedacht werden!

Von 21. November 2019News

Mit starken Zahlen eröffnete Staatsministerin Annette Widmann-Mauz die DIVERSITY 2019: „Ein gutes Drittel der 33 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland, knapp 13 Millionen, arbeitet heute in Unternehmen, die sich Vielfalt auf die Fahne geschrieben haben,“ teilte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration den über 400 Gästen mit.

Bei der größten Diversity-Konferenz Deutschlands kamen am 14. und 15. November 2019 im Berliner Allianz Forum Teilnehmer*innen aus verschiedensten Branchen zusammen und tauschten sich im Rahmen eines umfangreichen Programms bestehend aus Workshops, Panels und Keynotes zu Themen rund um Diversität und Inklusion im Arbeitsalltag aus.

Ruft man sich die kürzlich veröffentlichte Diversity & Inclusion Studie von Glassdoor (Link) in Erinnerung, wird schnell klar, dass allein oben genannte Zahlen und das, nennen wir es kosmetische Streben deutscher Unternehmen nach Vielfalt nicht ausreicht, um dafür zu sorgen, dass alle Arbeitnehmer*innen Gleichstellung, Schutz vor Diskriminierung und Teilhabe erfahren. Es reicht auch nicht aus, Image-, Werbe-, und Recruitingkampagnen mit „bunter“ Vielfalt zu schmücken, wenn diese im jeweiligen Unternehmen nicht gelebt und auch nicht sichtbar durch Vertreter dieser vielfältigen Kultur nach außen getragen wird.

Ist Diversity nur political correctness?

Es gab im letzten Jahr 79% mehr Jobs im Bereich Diversity & Inclusion. Trotzdem zeigte die Studie, dass „37% der befragten Berufstätigen bereits in einer Form Diskriminierung am Arbeitsplatz selbst erfahren oder beobachtet“ haben.

Die Verteilung dabei:

Diskriminierung aufgrund

  • des Geschlechts 24%
  • des Alters 22%
  • der ethnischen Zugehörigkeit 21%
  • der sexuellen Orientierung 15%

Felix Altmann von Glassdoor empfiehlt daher: „Jobsuchende – gerade aus häufig diskriminierten Teilgruppen – sollten im Bewerbungsprozess hinterfragen, wie ernst es Unternehmen mit ihrem Engagement meinen und gut recherchieren, ob beim potenziellen neuen Arbeitgeber Toleranz und Weltoffenheit wirklich fest in der Kultur verankert sind.“

Denn viele gesellschaftliche und soziale Gruppen fühlen sich zu Recht nicht ausreichend repräsentiert. Dabei müssten Unternehmen insbesondere diese diversen Bewerber*innen adressieren, einstellen, befördern, zum Austausch einladen, als Botschafter einsetzen – ja, teilhaben lassen.

Wirft man einen Blick auf deutsche Unternehmen wirkt es in vielen Fällen so, als ob es sich beim Thema Diversity nur um kleine kosmetische und oberflächliche Verschönerungen des Unternehmensauftritts handelt. In Imagekampagnen, auf Broschüren und Karriereportalen werden noch ein, zwei, drei „diverse“ Charaktere ergänzt und schon kann man sich als vielfältiges Unternehmen auszeichnen? Vielfältig ja – aber das allein reicht nicht aus. Und wie kann man Diversitätsmerkmale wie sozioökonomischer Hintergrund, kulturelle Herkunft, Religion/Weltanschauung, familiäre Situation oder chronische Erkrankungen überhaupt sichtbar machen?

Ohne Inklusion kein Erfolg

Der eigentlich wichtige und wertschätzende Handlungsschritt  lässt Vielfalt überhaupt erst zum Erfolgsfaktor werden: Die Inklusion (inclusion)
Inklusion im Sinne des „möglich machens“ der vorhandenen Vielfalt. Wo Diversität die Vielfalt unserer Gesellschaft erkennt und im Optimalfall als wertvoll erachtet, wird durch Inklusion sichergestellt, dass die vielfältigen Individuen gleichberechtigt teilhaben.

Infolgedessen ist das eigentlich interessante, wie aus Diversity-Kampagnen Diversity & Inclusion-Kampagnen werden können, die wie bei allen Themen des Employer Branding von innen heraus und aus einer vielfältigen und inklusiven Unternehmenskultur heraus gelebt werden müssen. Bei diesen Kampagnen darf es aber nicht nur darum gehen diverse Charaktere zu zeigen, sondern vielmehr die inklusive Haltung und die Werte, die das jeweilige Unternehmen und die jeweilige Diversity & Inclusion Politik ausmachen.

Diversität muss gelebt werden – aber eben nicht nur auf Werbeplakaten.

Wie wir Vielfalt wahrnehmen, wie wir Vielfalt leben – on und off the job – und wie darüber berichtet wird, hängt dabei nicht nur von den Recruitingmaßnahmen deutscher HRler ab, sondern auch von lauten starken Stimmen aus den eigenen diversen Reihen – auch und vor allem in der Medienlandschaft. Bei einer spannenden Paneldiskussion auf der Diversity-Konferenz wurde darüber diskutiert, was Medienhäuser (und damit auch alle anderen Unternehmen) tun könnten, um Diversität zu fördern. Lösungsansätze beispielsweise: in Stellenausschreibungen darauf hinweisen, dass zb. Bewerbungen von Menschen mit Migrationsgeschichte oder Behinderung besonders erwünscht sind, konkrete Fördermaßnahmen einführen, oder Praktika fair bezahlen. 

Quotenregelung?

Ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung vielleicht sogar die Einführung einer Diversity-Quote, um sicherzustellen, dass auch wirklich diverse Menschen Einzug in Unternehmen finden und Vielfalt nicht allein durch „mehr Frauen in Führungspositionen“ abgetan wird?

Wirft man auch an dieser Stelle wieder einen Blick auf die Medienlandschaft – die BBC machte es bereits 2016 vor und führte eine Diversity & Inclusion Quote ein, bei der man sich bis zum Jahr 2020 folgende Ziele setzte: 50 Prozent Frauen – vor und hinter den Kameras, an und hinter den Radiomikrofonen und on screen. Acht Prozent Menschen mit Behinderung in Fernsehen und Radio und teils on screen. Acht Prozent LGTBQ im Fernsehen, einschließlich einiger Rollen on screen. 15 Prozent ethnische Minderheiten (BAME) in Fernsehen, Radio und on screen. Umsetzung bisher erfolgreich, ganz so einfach ist es allerdings auch nicht: immerhin lässt die Quote viele weitere Diversitätsmerkmale außen vor…

Das Zitat von BBC-Generaldirektor Tony Hall bleibt wegweisend:
Our business is storytelling and we must make sure we tell stories that people all across the country will recognise, will understand and will relate to. At its very core, our purpose is to represent everyone.” Quelle: BBC

Alle sind gefordert!

Das Thema Diversity & Inclusion wird auch in Zukunft weiter diskutiert werden müssen und wir müssen gemeinsam handeln: Angefangen in der Politik mit Gesetzen zur Bildung, mit Aufklärung und Vermittlung von Wissen an alle Bürger*innen, durch neue Denkanstöße und Gleichstellungspolitik in der Arbeitswelt, durch bewusstes, wertschätzendes Handeln in der Gesellschaft.

 

Die DIVERSITY ist eine Veranstaltung des Tagesspiegels und der Charta der Vielfalt und findet bereits zum achten Mal statt. Sie ist die größte deutschsprachige Konferenz für Vielfalt in der Arbeitswelt. Sie behandelt als einzige Fachkonferenz in Deutschland alle Dimensionen des Diversity Managements wie Alter, Geschlecht und geschlechtliche Identität sexuelle Orientierung und Identität, Behinderung, ethnische Herkunft und Nationalität sowie Religion und Weltanschauung. Der Verein Charta der Vielfalt e. V. tritt als Arbeitgeberinitiative seit 2010 dafür ein, Diversity Management fest in der deutschen Wirtschaft zu verankern. Über 3.300 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt 13 Millionen Beschäftigten haben die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt seit 2006 bereits unterzeichnet und tragen dazu bei, Vielfalt in Deutschland gezielt zu fördern. Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. www.diversity-konferenz.de
(Quelle: Tagesspiegel)

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