Dem leidenschaftlichen Motorradfahrer können nur wenige Dinge so sehr den Spaß am Fahren vermiesen wie das Wetter. Wer schon einmal durchnässt und frierend mit der Handschuhfläche vergeblich versucht hat, sich ein klein wenig mehr Sicht durchs Visier zu verschaffen, weiß wovon ich rede.

Und so richtete sich auch am kühlen Morgen des 10. Mai unsere Blicke gen geschlossener Wolkendecke, als wir uns vor dem Restaurant am Steinplatz geistig auf das Frühstück vorbereiteten. Wir waren auch dieses Mal wieder zu Gast bei Marcus Zimmer, dem diesjährigen Aufsteiger des Jahres bei den Meisterköchen. Zwei Dinge machen Marcus ganz besonders sympathisch: Der Mann kann verdammt gut kochen und er fährt dazu auch noch sehr gerne Motorrad. Messetermine verhinderten, dass wir neben seiner Kochkunst auch seine Fahrkünste bewundern konnten. Doch sein Sauerteigsandwich mit Schinken vom Blutwurstritter, Pochiertem Ei, Gewürzgurken und Heumilchkäse entschädigte uns dafür ein wenig.

Motorradfahrer sind eine spezielle und verschworene Spezies: man grüßt sich, man duzt sich, man riecht nach Benzin, Öl und Schweiß. Es ist ein entspanntes Zusammensein unter Gleichgesinnten und so wundert es nicht, dass sich bereits nach Minuten eine gewisse Vertrautheit einstellt.

Das Gefühl wird noch stärker, wenn man das erste Mal gemeinsam die Motoren aufheulen lässt und sich als Gruppe in Bewegung setzt. Es soll hier kein Werbetext für BMW werden, aber was soll das Schreiben über eine Tour, wenn man nichts über sein Fortbewegungsmittel erzählt? BMW unterstützt die Tour und so war es kaum verwunderlich, dass sieben von acht Motorrädern das Licht der Welt im BMW Werk in Spandau erblickten.

Und auch ich hatte meine 1200er Bandit N für einen Tag gegen eine R 1200 GS getauscht – das ist ungefähr so, als ob man von einem Hollandrad auf ein Mountainbike umsteigt. Völlig ungewohnt waren für mich die aufrechte Sitzposition und die Höhe. Im ersten Moment ein Gefühl, als ob man auf einer Giraffe fahren würde. „Wenn sie erstmal rollt, is es saugeil“ diese Worte von Achim aus dem Werk hatte ich noch im Gehörgang und tatsächlich merkt man von der Größe nichts mehr, wenn der Boxermotor seine Kraft auf die Straße bringt und die GS dank ihrem Fahrwerk einen bequem und sicher über die Schlaglöcher der Republik trägt. Wenn ich jemals die Erde umrunden und dabei noch einen kleinen Abstecher zum Mond machen möchte, ist die GS wahrscheinlich meine erste Wahl.

Und so ging es dann zur ersten Etappe: Der Bauch voll, das Wetter frisch, windig, aber trocken und die Straßen um uns herum gesperrt…

Meine ganz persönliche Meinung: Berlin hat zu viele Halb-, Voll-, Skater-, Einradmarathons usw. Wie oft ich schon deshalb an einem Wochenende im Stau stand und versucht habe, aus Berlin herauszukommen, kann ich nicht mehr aufzählen. Es war ein unwürdiger Start, der darin gipfelte, dass wir unsere Mopeds ein paar hundert Meter über die schon gesperrte Strecke bis zur nächsten offenen Straße schieben wollten, um endlich freie Fahrt zu bekommen. Doch auch hier griff der Zusammenhalt von Motorradfahrern und so eskortierte uns ein Motorradpolizist bis zur nächsten freien Straße, damit wir endlich wirklich fahren konnten.

Jens-Rainer hatte letztes Jahr als leidenschaftlicher Tourenfahrer die Idee zu Delicious Riding und plante gemeinsam mit Tim, unserem Guide, eine klasse Strecke. So ging es durch verträumte Dörfer und Alleen unserem nächsten Ziel entgegen. Das Wetter blieb stabil und damit trocken, auch wenn uns immer mal wieder eine Böe leicht zur Seite drückte.

Kaum kam das erste Hungergefühl auf, waren wir auch schon im Schloss-Restaurant Baruth eingetroffen. Einem erst vor einem Jahr eröffneten Restaurant, das Chefkoch Roman Albrecht gemeinsam mit seiner Frau Heike liebevoll betreibt. Besonderen Wert legen beide auf Speisen aus der Region, die zu einem Großteil von lokalen Bio-Bauernhöfen stammen. Und so schmeckt es bei ihnen auch: frisch, nach der jeweiligen Jahreszeit und unfassbar lecker. Der Erfolg gibt ihrer Philosophie Recht. Wer am Wochenende nicht reserviert, muss sich auf Wartezeiten einstellen.

Nach einem kleinen Rundgang mit persönlicher Führung durch Roman Albrecht, kribbelte es bereits wieder in der Gashand und wir brachen zur nächsten Etappe auf. Das Wetter hatte es besonders gut mit uns gemeint, denn pünktlich zu unserem Start riss die Wolkendecke auf und die Sonne wurde für den Rest des Tages unser angenehmer Begleiter.

Durch den Spreewald suchte uns Tim die schönsten Umwege, denn beim Motorradfahren ist bekanntlich der Weg das Ziel. Und so wurde es relativ spät als wir für Kaffee und Kuchen im Landgasthof zum grünen Strand der Spree in Schlepzig eintrafen. Als Teil der Spreewaldbrauerei trifft man hier auf ein Haus, das beinahe durchgängig seit dem 18. Jahrhundert bewirtschaftet wird. Kuchenstücke so groß, dass sie bei dem ein oder anderen Bäcker als ganze Torten durchgehen würden, landeten auf unseren Tellern und blieben nur für kurze Zeit da. Die ganze Anlage versprüht so eine Idylle, dass uns nur die tief stehende Sonne daran erinnerte, dass wir bald wieder los sollten.

Natürlich verzichteten wir auf einen Rundgang inklusiver Verkostung in der Brauerei und verschoben dies auf ein anderes Mal.

Wir hatten unseren Zeitplan inzwischen völlig überzogen, aber auf den letzten Streckenabschnitt wollten wir auf keinen Fall verzichten und mit gut gefülltem Bauch entschlossen wir uns, das Abendessen ausfallen zu lassen. Die letzte Etappe war gleichzeitig auch die schönste und ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es eine so schöne Strecke mit ein paar netten Kurven durch die Wälder in Brandenburg überhaupt gibt.

Als wir uns beim letzten Halt verabschiedeten, war für alle Teilnehmer klar, dass wir dieses klasse Erlebnis bald gemeinsam wiederholen werden – und das nicht erst zur nächsten Delicious Riding Tour.

 

 

Bilder von: Steffi Becker, Nico Ehlert, Jens-Rainer Jänig, Daniel Ott

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